Makrofotografie von Bienen mit Florian Klatt

In die Welt der Makrofotografie einzutauchen ermöglicht eine gänzlich andere Perspektive auf die kleinen Dinge des Lebens. Fast schon unbemerkt leisten Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und zahlreiche andere Insekten einen wertvollen Beitrag in unserem Ökosystem. Über Millionen von Jahren ist zwischen Bienen und Blumen eine Symbiose entstanden. Die Bienen bekommen von den Blumen wertvolle Pollen und Nektar, um im Gegenzug die Blüten zu bestäuben. Bei einem großen Teil unserer Nahrungsmittel sind wir auf ebendiese Bestäubung angewiesen.

Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, dafür zu sorgen, die kleinen Helfer groß rauszubringen. Die flauschigen kleinen Bienchen sind wirklich hübsche Makro-Motive. Vor allem die Welt der etwa 560 Arten von Wildbienen, die es in Deutschland gibt, hat mich in Ihren Bann gezogen.

Vorneweg möchte ich noch die Angst vor den kleinen Insekten nehmen. Im freien Feld stechen Bienen und Wespen nur, wenn sie sich stark bedroht fühlen, denn die Blumen an denen sie sammeln sind nichts, was sie verteidigen müssen. Den Stachel verwenden sie ausschließlich zum Verteidigen in der Nähe ihres Nests, oder wenn sie gequetscht werden. Beim Fotografieren von Wildbienen muss man überhaupt keine Angst haben. Stechapparate von Wildbienen sind nicht kräftig genug um durch unsere Haut zu kommen. Außerdem sind Wildbienen die friedlichsten Lebewesen, die ich kenne.

Bienen fotografieren ist gar nicht so einfach!

Viel zu schnell fliegen sie von Blüte zu Blüte, ohne dabei lange zu verweilen. Manchmal fliegen sie ruhig und stetig und man kann die Bienen auf den einzelnen Blüten gut verfolgen. Ein andermal sind sie so hektisch, dass sie schon wieder weg sind, bevor man durch den Sucher schauen konnte. Bienen zu fotografieren erfordert vor allem viel Geduld, aber auch das richtige Equipment spielt eine Rolle.

Kameraeinstellungen

Mein Tipp: Ich verwende den manuellen Modus meiner Kamera, stelle die Verschlusszeit auf etwa 1/800 Sekunde und wähle einen Blendenwert zwischen 4 und 8. Bei sehr hektisch fliegenden Bienen stelle ich die Verschlusszeit noch kürzer ein. Den ISO-Wert lasse ich von der Kamera bestimmen. So kann ich im Feld flexibel unter verschiedenen Lichtbedingungen fotografieren, ohne mir ständig Sorgen um die Einstellungen machen zu müssen. Nichts ist ärgerlicher, als zu merken, dass man die letzten Fotos einer seltenen Wildbiene mit falschen Einstellungen gemacht hat.

Blitzlicht oder Umgebungslicht?

Die meisten meiner Makroaufnahmen entstehen ohne Blitz. Das gute Rauschverhalten moderner Vollformatkameras ermöglicht es, auch bei höheren ISO-Werten noch sehenswerte Bilder aufzunehmen. Einen Blitz kann man jedoch auch beim Fotografieren von Bienen sehr gut einsetzen. Das Blitzlicht kann helfen Bewegungen „einzufrieren“, was sinnvoll sein kann, wenn man Bienen im Flug fotografieren möchte. In jedem Fall sollte man für seinen Blitz einen Diffuser verwenden, um harte Schatten zu vermeiden.

Auf der Suche nach dem Motiv

Grundsätzlich findet man Bienen fast überall dort, wo es blüht. Am häufigsten anzutreffen sind dabei Honigbienen. Sie fliegen vom Frühling bis in den Herbst und treten in großen Mengen auf. Während Honigbienen nahezu alles anfliegen was blüht, sind viele Wildbienen hoch spezialisiert. Beispielsweise die Mai-Langhornbiene: Sie ist oligolektisch (sammelt nur an wenigen Pflanzen) auf Schmetterlingsblütler, mit einer Vorliebe für die Zaun-Wicke. Am einfachsten findet man die Langhornbienen also, indem man nach ihren Lieblingspflanzen Ausschau hält. Im Gegensatz zur Honigbiene sieht man die Mai-Langhornbiene allerdings nur von Mitte April bis Mitte Juni fliegen. Man muss also zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Mein Tipp: Ich nehme einfach die Kamera und schlendere durch die Natur. Mit der Zeit nimmt man immer mehr Insekten wahr. Plötzlich sieht man überall wo man hinschaut Bienen und andere Insekten. Bienen gibt es in allen möglichen Größen und Färbungen. Die größten Bienen messen bis zu 3 Zentimeter, während die kleinsten nur wenige Millimeter klein sind. Viele Wildbienen kann man übrigens im eigenen Garten ansiedeln. Mit einer Nisthilfe aus hohlen Bambusstäben oder Bohrlöchern in Hartholzklötzen, kann man eine Vielzahl von Wildbienen unterstützen. Das geht selbst in der Stadt, wenn man nur einen kleinen Balkon hat. Viele gute Anleitungen, wie man ein Wildbienenhotel selbst baut, gibt es im Internet. In einem großen Garten kann man den Wildbienen helfen, indem man freie Sandflächen schafft, Totholz anbietet und natürlich auch indem man viele heimische Sträucher und Stauden pflanzt. Dann muss man gar nicht mehr weit wegfahren und kann Bienen einfach im eigenen Garten fotografieren.

Perspektive und Bildkomposition

Wenn ich an einem Ort bin, wo es um mich herum summt und brummt, beobachte ich zunächst einige Minuten ganz ruhig, wie sich die Bienen verhalten. Fliegen sie eher hektisch oder bleiben sie lange auf den Blüten sitzen? Wie positionieren sich die Bienen an den Blüten und welche Blüten werden am häufigsten angeflogen. Mit dem Wissen aus der Beobachtung überlege ich mir, wie ich die Bienen im Bild positionieren möchte. Die eindrucksvollsten Bilder entstehen, wenn man eine Biene perfekt von der Seite trifft, sodass der ganze Körper in einer Schärfeebene liegt. Außerdem kann es reizvoll sein, eine Biene frontal zu porträtieren, sodass man die mächtigen Kauwerkzeuge, die großen Augen und mit etwas Glück die Nektar schlürfende Zunge im Bild hat. Die Digitalfotografie ermöglicht es, unzählige Blickwinkel auszuprobieren, solange man genügend Speicherkarten dabei hat. Mit etwas Geduld gelingen jedem wunderbare Fotos der hübschen, fleißigen Bienen, auch wenn man manchmal erst hunderte Bilder machen muss, bis man genau das Bild hat, was man sich vorgestellt hat.

Mein Tipp:

Um das Fotografieren von Bienen zu üben, eignen sich Löwenzahnblüten besonders gut. Die meisten Bienen verweilen hier mehrere Sekunden und man hat genug Zeit, Bilder aus verschiedenen Perspektiven zu machen.

Viel Spaß beim Fotografieren und entdecken!

Wenn Sie Ihre Bilder auf Instagram teilen, nutzen Sie gerne die Hashtags #leistenschneider und #beeimkerde, dann versuche ich Ihnen bei der Bestimmung Ihrer Wildbienen zu helfen.

Schauen Sie sich das Instagramprofil von Florian Klatt an, um mehr über Wildbienen und Makrofotografie zu erfahren: @beeimkerde